Wiener Walzer

?Was ist das?
Mein Versuch, ein kritisches Thema mit Humor zu betrachten.

Ich habe mir mit meinem Gedankenprotokoll ein wenig Zeit gelassen, um die Eindrücke in Ruhe setzen zu lassen.

Nach langer Absenz wegen Corona Pause, hatte ich die Freude, als Wertungsrichter bei einem national ausgetragenen Turnier zu fungieren.

 

Das Tanzen von Figuren, die aus dem Langsamen Walzer und Slow Foxtrott abgekupfert  wurden, hat sich im Choreo - Operandi des Wiener Walzers, auch über die Zeit der Pandemie, gehalten, oder - vielleicht sogar verstärkt. Das wird sich erst durch die „7 Turniere Inzidenz“ bewerten lassen. 
Tja, der Figurenwalzer intensiv, war/ist auch eine Form von 
Pandemie.
Durch alle (Ober)Klassen, die ich wertete, wurde Figurenmaterial verwendet. 

Zu „Veränderung und Innovation“ bringe ich keine Gegenargumente vor. Ganz im Gegenteil, denn  Entwicklung war und ist für mich immer ein wesentlicher Faktor zur Verbesserung.

Allerdings kann man auch etwas 
„VERSCHLIMMBESSERN“. Also einen verkrampften Versuch machen, etwas dramatisch zu, (vermeintlich), eigenen Gunsten zu verändern, ohne auf die Substanz zu achten. 

Man überlege die Anwendung von Figurenmaterial im „normalen Turniermodus des Wiener Walzer“ -  IM BESONDEREN DIE ANZAHL DER ARTFREMD VERWENDETEN TAKTE. 

Abgesehen davon geben sich die FigurentänzerInnen in so manchen Klassen als „lebende Hindernisse“ zu erkennen, vor allem dann, wenn getanzte Posen den Rest der folgenden Paare (in Tanzrichtung) behindern. Dies fällt unter den Begriff: FLOORCRAFT.

 

Das absolute Highlight durfte ich in der obersten „allgemeinen“ Startklasse erleben, dies von mehreren teilnehmenden Paaren.

  • kaum typische Wiener Walzer Choreographie
  • High Energy Figuren bis zum „fast – Platzen“
  • vom Frackkragen
  • Figurenmaterial aus anderem Tanz, in gering qualitativer Ausführung. Musikalische Interpretation mit „Fragezeichen“


„Es wird auf Luft gebaut“. Das kam mir bei Betrachtung so mancher Präsentation in den Sinn.


Ich möchte die Phrase „Erhaltung unseres Nationaltanzes“ gar nicht strapazieren und thematisieren. 

Viel mehr stehen für mich folgende Thematiken im Vordergrund: 

 

Verständnis
Um den Tanz sinnvoll zu präsentieren, ist ein Grundmaß an Verständnis für eben diesen notwendig. Je besser der/die TänzerIn, umso mehr Verständnis zeigt man in der Ausführung, Phrasierung und Choreographie.

Grundlagen
Der Tanz besteht in seiner Grundkonzeption aus Rechts- und Linksdrehung, den entsprechenden Wechseln sowie dem Links-und Rechtsfleckerl und Contra Check für den Wechsel zwischen den vorgenannten Figurenteilen.

Choreographie

Der Verwendung „artfremden Materials“ ist nichts entgegen zu halten. 
Sinnvollster Einsatz erfolgt im Solotanz. Warum? Hier hat das Paar durchgehend die alleinige Aufmerksamkeit aller Wertungsrichter. GEKONNTES Spiel mit Phrasierung durch den VEREINZELTEN Einsatz von eventuell passenden Figuren kann sich positiv auswirken.

Kriterien der Bewertung
Bei überdimensionalem Einsatz von Choreographie erscheint mir dies als der Versuch davon abzulenken, dass ein Paar im Wiener Walzer eigentlich nicht firm ist.

Als Wertungsrichter möchte man, unter anderem, auf Grund der tanzspezifischen Grundlagen eine Wertung bzw. Reihung des Feldes durchführen. Qualitativ fragwürdig getanzter Feather Step oder Fallaway Reverse usw. gehören, prioritär, nicht dazu.

Nun, warum schreibe ich diese Zeilen? 

Auch wenn es ein Buch mit Wiener Walzer Figuren gibt, welches ich respektiere, könnte eben diese Möglichkeit des Einsatzes von „zusätzliches Figuren“, qualitativ wertvoll für Tänzer, Wertungsrichter und für den TANZ in seiner Struktur angewandt werden.  
Den Wiener Walzer mit „fremden“ Figurenmaterial zu überladen ist mM nach nicht interessant!  

Figuren sind nicht unbedingt eine „Erhöhung des Schwierigkeitsgrades“. Eher umgekehrt. Der Wiener Walzer zeigt sich in seiner Komplexität durch die andauernde, optimale Wiederholung eines „monotonen (gleichlaufenden) Bewegungsablaufes“ aus. Diesen über die Dauer von 1.45 bis 2 Minuten durchgehend qualitativ top zu tanzen - das ist die Schwierigkeit. 

 

Als Trainer hat man sicherlich das entsprechende Verständnis und lässt sich auch als Wertungsrichter durch energetisch vorgetragene Überchoreographierung nicht hinter‘s Licht führen. *smile*.

 

Die Leistung der Tanzpaare soll NICHT geschmälert empfunden werden, denn die sportliche Komponente ist auf jeden Fall zur Geltung gekommen. Dafür ein THUMBS UP!

 

In diesem Sinne - weiterhin viel Erfolg bei Training, Turnier und mit dem Tanz!

 

Helmut Hanke
Nationaltrainer 

Standard, 10Dance, PD

Irene & Helmut Hanke
Mehrfache Gewinner der Wiener Walzer Konkurrenz. Choreographie: Links- und Rechtswalzer,
Richtungswechsel, Links- und Rechtsfleckerl, Contra Check, Achsen.